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Hajo Meyer kann’s nicht lassen

Februar 10th, 2010 · 13 Kommentare

Ob jung oder alt, Münchner oder Hamburger, Grünen- oder FDP-Wähler, egal nach welchen Aspekten man die Menschen aufteilt, Antisemiten gibt es überall. Und obwohl diese simple Feststellung immer wieder für ungläubiges Staunen sorgt: auch Juden können antisemitisch sein. Deren Antisemitismus unterscheidet sich zwar inhaltlich nicht vom restlichen, ist aber insofern etwas Spezielles, als antisemitische Juden von anderen Antisemiten herangezogen werden können um den eigenen Standpunkt glaubhafter erscheinen zu lassen. Mit ihren Äußerungen machen sich also nicht wenige von ihnen zu jüdischen Kronzeugen für das antijüdische Ressentiment. Einer von ihnen ist Hajo Meyer, der sich jetzt wieder zu Wort gemeldet und dadurch einen neuen Bewunderer für sich gewonnen hat.

Hajo Meyer ist wahrlich kein unbeschriebenes Blatt, den Höhepunkt seiner Karriere dürfte aber der skurrile Rechtsstreit mit Henryk M. Broder darstellen, den er an der Seite seines Verlegers Abraham Melzer (der sich bereits in der Kommentarspalte von Basisbanalität zu Wort gemeldet hat) angeleiert und letzten Endes verloren hat. Meyer hat sich nun zurückgemeldet, zunächst mit einer Lesereise durch Schottland. Wie die Zeitung The Herald Scotland berichtet, hat er nicht nur ein weiteres mal die israelische Politik mit jener der Nazis verglichen, sondern auch den Begriff “Antisemit” auf perfide Weise umdefiniert: “Früher war ein Antisemit jemand der Juden hasst [...]. Heute bezeichnet ‘Antisemit’ allerdings jemanden der von Juden gehasst wird”. Schuldumkehrung deluxe. Jonathan Hoffman von der Zionist Federation kritisierte im Gespräch mit der Zeitung Meyers Aussagen als “unzweifelhaft antisemitisch”. Dabei komme es auch nicht darauf an, ob sie von einem Holocaust-Überlebenden getätigt worden seien oder nicht.

Kurze Zeit später gab Hajo Meyer dem iranischen Fernsehsender Press TV ein Interview. Im Gespräch mit dem englischsprachigen Sender, der von der Islamic Republic of Iran Broadcasting (IRIB) betrieben und staatlich finanziert wird, referiert er über die “Holocaustreligion” und ihren “Hohepriester” Elie Wiesel. Die “Zionisten” seien schon immer gegen Holocaust-Überlebende gewesen und missbrauchten die Geschichte für ihre eigenen Zwecke, so erklärt er auf Nachfrage. Das iranische Regime dürfte zufrieden sein.

Sein neuerliches Engagement hat Hajo Meyer jetzt einen ganz besonderen Fan eingebracht, nämlich David Duke, Holocaustleugner und ehemaliger Führer der “Knights of the Ku-Klux-Klan”. Duke zollt ihm auf seiner Homepage und in einem Video seinen Respekt. Meyer sei ein “tapferer Mann”, weil er sich gegen “jüdischen Extremismus, jüdischen Hass und jüdisches Foltern, Morden und Unterdrücken der Palästinenser” ausgesprochen habe. Deshalb habe er, David Duke, “große Sympathien” für Hajo Meyer.

Ob Duke wohl schon das Buch “Das Ende des Judentums” kennt, in dem Meyer behauptet, “die früheste Ursache für den Antisemitismus“ sei “im Judentum selbst“ zu finden? Es würde ihm sicher gefallen. Dabei meint Hajo Meyer es doch eigentlich nur gut und will die Juden davor bewahren, durch ihr Verhalten weiterhin Antisemitismus zu provozieren. Wie meinte Theodor Herzl mit leicht spöttischen Unterton in der Einleitung seines Werkes “Der Judenstaat”: “Einzelne dieser Unterstützungsvereine sind nicht für, sondern gegen die verfolgten Juden da. [...] Und so entdeckt man bei aufmerksamer Betrachtung, dass mancher scheinbare Judenfreund nur ein als Wohltäter verkleideter Antisemit jüdischen Ursprungs ist.”

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Kategorie(n): Antisemitismus

13 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Abraham Melzer // Feb 10, 2010 at 11:32

    Juden wie Hajo Meyer, Finkelstein, Avnery, Hecht-Galinsky etc., etc., können sich nicht gegen Applaus von der falschen Seite wehren. Sie ignorieren solchen Applaus, so wie ich immer wieder tue.
    Anders ist es aber wenn Juden wie Henryk Broder ausgewiesenen und bekennenden Faschisten und Antisemiten applaudieren. Insofern stimmt der Satz: Früher war Antisemit jemand, der die Juden hasste; heute ist ein Antisemit jemand, den (manche) Juden hassen.

    Und regen Sie sich weiter auf wegen Syntax und Kommafehler – gegen den Inhalt können Sie ja eh nichts bringen.

  • 2 A.Bundy // Feb 10, 2010 at 13:32

    Inhalt? Welcher Inhalt? Ausser sich ständig wiederholendes, dümmliches Geschwurbel, verbunden mit dem obligatorischen, feuchten Strutz in Richtung Broder, kommt doch nichts.
    “Sie ignorieren solchen Applaus, so wie ich immer wieder tue.”
    Erzähl mal noch so ‘nen Joke Abi. Jeder dieser Gestalten suhlt sich geradezu im Beifall der rinks-lechten Querfront. Ob KKK, ob Shoaleugner, Altermedia oder der durchgeknallte Elsässer, spielt keine Rolle, Hauptsache Aufmerksamkeit. Der gute Uri verlegt noch heute im faschistischen Babarossa-Verlag und gab seinen ständigen, analen Sitz bei Jassir Arafat erst auf, als der über den Jordan marschierte. Finkelstein hat keinerlei Probleme, sich mit Hisbollah und Hamas an einen Tisch zu setzen und die manische “Tochter” nimmt jeden, der sie “Publizistin” nennt. Wenn sie nicht gerade mit Neumann und Fickentscher von der “Arbeiterfotografie”, welche Adolfdhimmischnatterepäng vom Antisemiten zum “Antizionisten” qua “korrekter Übersetzung” umlügen wollten, über Jörg Haiders angeblich so “mysteriösen” Tod raunt.
    Also schwirr ab Melzer, du selbsternanntes Sprachrohr der geknechteten “Israelkritiker” in nah und fern. Lass deine schwachsinnigen Ergüsse weiter auf dem “Portal” des Dortmunder Judenhassers i.R. Arendt raus, da gehören sie hin.
    Zum Schluss noch ein paar Auszüge aus Abis neuesten Pamphleten, auf o.g. Seite verlinke ich absichtlich nicht.
    An Helmut Adamaschek, Bildungswerk Berlin der Heinrich Böll Stiftung, nach deren Stonierung der Finanzierung eines Finkelstein-Auftritts in Berlin.
    “[...] Sie schreiben: Finkelsteins Verhalten und seine Thesen bewegen sich unseres Erachtens nicht mehr im Rahmen berechtigter Kritik. Wer hat das entschieden? Wer steht hinter „unseres“? Wie kommen Sie darauf? Woher wissen Sie wie weit berechtigte Kritik an Israels Politik gehen kann, gehen darf, gehen muss? Wo hört denn nach Ihrer Meinung „berechtigte“ Kritik auf? So wie Sie argumentieren und so argumentieren leider viele in diesem Land, geführt von Gurus a la Henryk Broder, hätte man auch die Nazis nicht kritisieren können und dürfen, denn ihnen vorzuwerfen sie begehen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen die Menschheit wäre vielleicht nicht mehr im Rahmen berechtigter Kritik. Und Thomas Mann und Erich Maria Remarque, um nur zwei zu nennen, wurden von den Nazis auch mit solchen Argumenten kritisiert und verfolgt, so wie Finkelstein heute von manchen Israelis und Juden kritisiert und verfolgt wird. [...]”
    Nazivergleich und Broderknacks, die beiden Klassiker des Abi Melzer. Aber es wird noch besser. Hier sein Auswurf gegen Pfarrer Thomas Schöps, einen der drei Autoren des offenen Briefes an “Sitzenbleiberin” Sevim Dagdelen.
    “[...] Sie zitieren die Worte von Peres und werfen Dagdelen und den anderen vor sich nicht an der Stelle jedes anderen denken zu können bzw. zu wollen. Haben Sie denn Herrn Shimon Peres gefragt, ob er sich an der Stelle eines x-beliebigen Palästinenser denken kann, dessen Land geraubt wurde und der zB, wenn er im sog. demokratischen Israel lebt, seit 60 Jahren auf eine Baugenehmigung wartet. Ob er sich in einen Palästinenser in Gaza hineindenken kann, der nicht nur sein Haus verloren hat, von den 1400 und mehr Toten ganz zu schweigen, sondern der auch von den Israelis, also von Shimon Peres, daran gehindert wird es neu aufzubauen.
    Ihre Heuchelei und die Heuchelei des Bundestages stinkt zum Himmel und sie sollten sich schämen im Namen von Jesus Christus zu sprechen, denn Jesus würde heute als erster die Juden verklagen und einen Shimon Peres verfluchen. Glauben Sie, dass Jesus heute in der Lage wäre von Nazaret nach Jerusalem zu reisen und reibungslos hundert Checkpoints passieren? [...]”
    Jesus würde die Juden verklagen. You made my day, stupid Schmock.

  • 3 schlafen // Feb 10, 2010 at 14:02

    Sie reden über Israel, und somit die in Israel lebenden Menschen, als eine Krankheit, eine tödliche, eine unheilbare.
    Es stört sie nicht, daß es Nazis, Judenhasser, Antisemiten schon getan haben und tun.
    Sie halten sich für gute und objektive Menschen, Juden, Christen und Moslems.
    Dabei sind sie nur mit Haß erfüllte Menschen, auf andere und sich selbst, krankhaft, selbstgerecht, eine Todesliebe als Kultur.

  • 4 Basisbanalität // Feb 10, 2010 at 14:19

    Herr Melzer,

    sie und andere publizieren Artikel und Stellungnahmen, die zumindest zum Teil mit der ideologischen Überzeugung eines David Duke oder der NPD kompatibel sind und wundern sich dann über “Applaus von der falschen Seite”?

    Vielleicht sollten sie einfach mal Ihre “Argumente” überdenken?

  • 5 mehrdad beiramzadeh // Feb 10, 2010 at 14:47

    es ist mir nicht klar, dass leute wie finkelstein, galinski&co. sich tatsächlich von nazis, linke und muslimische judenhasser distanzieren.

    sie sind nur nützliche idioten für diese moderne judenhasser. sie sind deren beste quelle und sie verharmlosen die nazis und den holocaust auf unmenschliche art und weise, indem sie israel mit nazi-deutschland vergleichen.

    solche selbsthassende juden ticken auf der gleichen wellenlänge wie holocaustleugner und “antizionisten”. da sehe ich keinerlei distanz zu diese bande.

    selbsthassende juden und nichtjüdische antisemiten verzapfen nämlich denselben unsinn alla “völkermord”, “nazi-methoden”…

  • 6 heplev // Feb 10, 2010 at 15:39

    Wenn Herr Melzer meint, er könne nichts dafür, dass er Applaus von der falschen Seite bekommen, dann sollte er wenigstens einmal ansatzweise damit anfangen darüber nachzudenken, warum dieser Applaus derart massiv ist.
    Und vielleicht irgendwann mal aufzeigen, welchen Faschisten und “bekennenden Antisemiten” Broder applaudiert. Dürfte sich mal wieder um das Problem handeln, dass es dann doch “eine Bildung” ist, die der Mensch haben muss.

  • 7 Zahal // Feb 11, 2010 at 01:50

    Jesus, Herr Melzer, würde sich für Sie fremdschämen, denn er liebte die Juden, war Jude, hat die jüdischen Gebräuche geachtet und vor allen Dingen war er gegen Diskriminierung, Hass, Lügen und stand zu seinem Volk, zu der Zeit gab es auch weit und breit keine Palästinenser, die Vorfahren derer lebten damals noch in der Wüste Saudi-Arabiens. Sie aber scheinen von all dem nichts zu kennen und wissen zu wollen.

    Sie vergleichen die Nazis mit dem heutigen Israel – ergo mit Perès, machen also wieder Täter zu Opfern und Opfer zu Tätern. Die PalAraber sollen endlich mal aufhören zu schiessen und zu jammern, sollten aufhören, die Juden zu hassen, wie schon der Mufti von Jerusalem die Juden gehasst hat und gerade deshalb mit den Nazis kooperiert hat, dann klappt es auch mit dem Nachbarn.

    Mich ekelt vor solchen Geschichtsverdrehern, mich ekelt vor Menschen voller Hass, mich ekelt vor Menschen, die nicht unterscheiden können. Herr Broder hat mehr Verstand im kleinen Finger, als mache in der allzu hohlen……..

  • 8 schlafen // Feb 11, 2010 at 21:38

    @ Basisbanalität
    Hallo, Sie machen das wirklich gut!
    ich möchte Ihnen vielleicht eine Idee mitteilen, das Thema Musik. Im Web gibt es anti-Israel/-Semitenlieder/videos. Ich weis es nicht, ob es schon in anderen Blogs das Thema gewesen ist, könnte vielleicht für Sie und Ihr Blog von interesse sein. Bzw. eine Art Top 15? und die Leser schicken ihnen was zu, bzw. Sie präsentieren es.
    Könnte aber auch “Yiddish for dummies” sein, auf Deutsch mit Untertietel, wer kann es wissen …?

    Machen Sie weiter so !

  • 9 schlafen // Feb 11, 2010 at 21:45

    Auf diese Finkelsteins/Meyers & Melzers/Durchgeknallten, ein bischen Zeitgeschichtliche Musik:

    http://www.youtube.com/watch?v=m6tyesDCEgk&feature=related

    Das was die Menschen bewegt hat und ihre Nachkommen am Leben hält, darf ihnen nicht genommen werden!
    Glauben hin oder her, darum geht es nicht, sonder – nie wieder!

  • 10 Basisbanalität // Feb 12, 2010 at 12:52

    @ schlafen

    Vielen Dank für Ihre Unterstützung und Ihren Vorschlag! Das mit den Top 15 der antisemitischen/-zionistischen Lieder ist sicher eine Überlegung wert. Spontan würden mir da “Die Bandbreite” und “Scarabeuz” einfallen, aber sicher (und tragischerweise) gibt es da noch einige mehr.

  • 11 Zahal // Feb 12, 2010 at 22:56

    Kleiner Nachtrag und wie sich diese Antisemiten widersprechen, solange es nur gegen die “Zionisten” geht.

    Zitat:

    Kurze Zeit später gab Hajo Meyer dem iranischen Fernsehsender Press TV ein Interview. Im Gespräch mit dem englischsprachigen Sender, der von der Islamic Republic of Iran Broadcasting (IRIB) betrieben und staatlich finanziert wird, referiert er über die “Holocaustreligion” und ihren “Hohepriester” Elie Wiesel. Die “Zionisten” seien schon immer gegen Holocaust-Überlebende gewesen und missbrauchten die Geschichte für ihre eigenen Zwecke, so erklärt er auf Nachfrage. Das iranische Regime dürfte zufrieden sein.

    Ach ja? Und deshalb haben die “Zionisten” Elie Wiesel in Genf so beschimpft und verungimpflicht, daß man sich fremdschämen musste, Videos dazu gibt es noch. Ja, diese Leute sind Antisemiten, gleich ob sie sich als Juden gerieren oder nicht, die Motive mögen unterschiedlich sein, der Schaden für die Juden in Israel bleibt gleich. Widerlich sind sie aber trotzdem.

    Die sollten einfach mehr Bat Ye’or lesen, wer der wirkliche Feind der Juden ist.

  • 12 schlafen // Feb 13, 2010 at 19:46

    Hallo Zahal, die Madame Bat Ye’or hat aber auch ein paar Vorstellungen, die im Grenzbereich liegen. Nicht das sie immer falsch liegt, jedoch ist die eine oder andere Meinung “stark” überzeichnet.

  • 13 schlafen // Feb 13, 2010 at 21:03

    Der Henryk M. Broder, hat auch was dazu zu sagen und das ist hörenswert!
    http://www.youtube.com/watch?v=3ME4DDqBvdU&NR=1

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