Basisbanalität

Weblog für angewandte Nestbeschmutzung

Basisbanalität header image 2

Frieren gegen Israel

Januar 21st, 2010 · 5 Kommentare

Neturei Karta

Am 18. Januar fand die erste deutsch-israelische Regierungskonsultation in Deutschland statt. Trotz eisiger Kälte ließen es sich die notorischen Gegner Israels nicht nehmen, in völliger Isolation innerhalb der abgesperrten Bannmeile gegen den “zionistischen Staat” zu demonstrieren.

Im Aufruf der Veranstalter von der “Quds-AG der Islamischen Gemeinden der Schiiten in Deutschland” wird die “Zionisierung von Jerusalem” angeprangert und die zu Tausenden auf israelische Städte abgefeuerten Raketen zu “Ofenrohrraketen” umdeklariert. Die “Quds-AG” organisiert die Demonstration zum internationalen “Quds-Tag” in Berlin.

Auf der Homepage der Gruppe findet sich im linken oberen Eck eine “geheime” PowerPoint-Präsentation, in der eine krude Verschwörungstheorie über die al-Aqsa-Moschee und den Felsendom kolportiert wird: wann immer in den  Medien über die al-Aqsa-Moschee berichtet wird, werde fälschlicherweise ein Bild des Felsendoms eingeblendet. Hintergrund sei eine “zionistische Verschwörung”, deren Ziel es sei die Erinnerung an die al-Aqsa-Moschee auszulöschen.

An der Kundgebung nahmen insgesamt ca. 40 Personen teil. Neben Vertretern der “Quds-AG”, der “Jüdischen Stimme” und der Friedensbewegung befanden sich nach eigenen Angaben auch Teilnehmer der “Volksinitiative” von Jürgen Elsässer, der seit neuestem nicht mehr nur durch seine Hasstiraden gegen Israel auffällt, sondern in nationalsozialistischer Diktion auch gegen einen drohenden “Völkerbrei” wettert.

Sichtlich stolz waren die Veranstalter auf die Teilnahme ihrer “jüdischen Freunde” von Neturei Karta, einer Gruppe ultraorthodoxer Juden, die den Staat Israel vernichten wollen und dafür unter anderem mit der PLO zusammenarbeiten. Ein Vertreter der Organisation, der “Rabbinerdarsteller” Moishe Aryeh Friedman, nahm 2006 an der Holocaustleugner-Konferenz in Teheran teil.

Teilnehmer mit Schildern

Die Veranstaltung wurde von Christoph Hörstel eröffnet, dem Sprecher des “Friedenskreises Deutschland e.V.” und ehemaligen ARD-Journalisten, der wegen seines Buches über Afghanistan von der FAZ als “Lobbyist” der Taliban bezeichnet wurde. Er verlas zunächst ein Grußwort von Evelyn Hecht-Galinski (es dürfte sich wohl um diesen Text gehandelt haben), deren länger zurückliegende Äußerungen seit einigen Tagen nun auch mit höchstrichterlichem Segen antisemitisch genannt werden dürfen. In ihrem Pamphlet bezeichnet sie die israelische Politik als “rassistisch-faschistisch-zionistisch” und behauptet, Palästinenser erlebten “jeden Tag ihre Extermination”.

Ihre Kern”these” besagt, dass der Holocaust in Deutschland dazu missbraucht werde Israel zum Staat der “armen Opfer, die man bedingungslos unterstützen” müsse zu machen. Daher sei es auch “skandalös”, dass Shimon Peres zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar nach Deutschland kommen und ihn somit zum “Holocaust-Israel-Propaganda-Lügen-Tag” machen werde. Christoph Hörstel schloss daran an und behauptete, die Vernichtung der europäischen Juden werde dazu missbraucht, Deutschland jede Kritik an israelischen “Kriegsverbrechen” zu untersagen. Der Holocaust sei wie der Nasenring, an dem ein Ochse geführt wird. Eine reichlich blumige Umschreibung der angeblichen “Auschwitzkeule”.

In seinem äußerst wirren Redebeitrag versuchte sich Hörstel schließlich an einer Darstellung des Zionismus. Dieser sei von Anfang an von “Bankiers” gelenkt worden (namentlich, wer hätte es vermutet, den Rothschilds), denen es natürlich nur um “Macht” und ihre “dreckigen Kolonialgeschäfte” gegangen sei. Zionistische Juden seien lediglich “die Würstchen”, die für solche Interessen missbraucht werden. “Jüdische Einwanderer” hätten vorsätzlich und in einer geplanten Aktion das “gute und herzliche Verhältnis zwischen Juden und Muslimen” zunichte gemacht, um Vorwände dafür zu schaffen die Palästinenser aus “ihren Gebieten herauszudrängen”. Ansonsten gab es noch den üblichen ressentimentgeladenen Quatsch, angefangen beim makabren Aufrechnen von Leichenbergen bis hin zu Verschwörungstheorien über israelische Geheimdienstorganisationen (so wurde Jitzhak Rabin angeblich wegen seiner “Friedensbestrebungen” vom israelischen Inlandsgeheimdienst ermordet).

Ein zweiter Redebeitrag, den ich mir aufgrund klirrender Kälte und akuten Angewidertseins nicht mehr anhörte, war von Vertretern der “Quds-AG” und der Organisation “Human Dignity and Rights” (über die ich hier bereits einiges geschrieben habe). Auch hier wurde wieder eine jüdische Weltverschwörung herbeiphantasiert, eine “globale Struktur mit Finanzkapital, Medienmacht, Think Tanks und politischem Einfluss”, die Politikern in Deutschland den Mund verbiete: “Viele deutsche Politiker wissen bereits alles, doch sie haben keine Macht, sie haben Angst vor den eigentlichen Machthabern”. Teil der Verschwörung seien auch die jüdischen Gemeinden in Deutschland, die von den “Zionisten” aufgebaut und von Tel Aviv aus gesteuert würden.

Alles in Allem ist die Kundgebung also abgelaufen wie erwartet: Verschwörungstheorien, Holocaustvergleiche und getötete palästinensische Kinder, garniert mit antisemitischer Soße. Der 3D-Test wurde sozusagen mit voller Punktzahl gemeistert!. In der BILD freute man sich unterdessen darüber, dass “Deutsche und Juden”(!) sich endlich versöhnt haben. Puh, doch noch mal glimpflich ausgegangen.

Update: gerade erst bemerkt, dass es bei Reflexion bereits einen Artikel zu dieser Kundgebung gibt.

Bookmark and Share

Kategorie(n): Antisemitismus

5 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Der Aufmarsch III « Reflexion // Jan 21, 2010 at 09:04

    [...] In den Reden dieses Aufmarsches gegen Israel, der als „Kundgebung“ getarnt worden war, wurden die einschlägigen Klischees bedient. Es war die Rede von einem „brutalen Zersetzungsprozess“, dessen Folge unter anderem wäre, dass die „entmutigten Völker so zäh wie Wachs in den Händen der Besatzer nach Belieben verformt werden“ könnten. In Deutschland würden „Gewisse Machtkreise“ versuchen „ein militantes Deutschland hochzurüsten, das aber diesmal im fremden Auftrag (…) operieren soll“. Die vermeintlichen Verantwortlichen für die Kriege in Afghanistan, Irak, Pakistan (!) und „Palästina“ wurden, wie es bei antisemitischen Verschwörungstheorien üblich ist, in Tel Aviv ausgemacht. Die „Kriegstreiber aus Tel Aviv“ richtete sich der Redner an seine “ jüdischen Freunde und Mitbürger“ seien „die Schuldigen“, die „beim Namen“ genannt werden sollten. Danach wurde der „Zionismus“ in einer ellenlangen Tirade verteufelt und sich gegen jede Form der Zwei-Staaten-Lösung ausgesprochen. Diese sei „keine Lösung, nicht realisierbar und nicht finanzierbar“. Es ging also ganz konkret um die Vernichtung Israels. Trotzdem scheint das Bündnis, bestehend aus Elässers „Volksinitiative“, „HDR“, „Al-Quds-Initiative“ und Hörstels Organisation „Neue Mitte“ fast unter sich geblieben zu sein. Auch die Medien nahmen die Aktion kaum wahr. So berichtet lediglich das Querfront-Organ „Berliner Umschau“ und weigert sich dabei beharrlich Teilnehmer_innenzahlen zu benennen. Elsässer spricht wiederum von 100 Teilnehmer_innen. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen, schließlich steigert Elsässer die Teilnehmer_innenzahlen gerne, um den eigenen „Erfolg“ zu belegen. Zeitgleich protestierte im Übrigen auch ein zweites Bündnis. Dieses Bündnis, bestehend aus etlichen „Palästina“-Komitees, aber auch dem DGB-Stadtverband Darmstadt, forderte, dass die „Gelegenheit“ in Deutschland genutzt werden sollte, um „Israel (…) für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zur Rechenschaft“ zu ziehen. Also eine Art „Volksgericht“ der Friedensbewegung. Auch diese Kundgebung blieb unter sich. Lediglich die „Berliner Umschau“ berichtet. Wie schon bei der ersten Kundgebung werden auch hier keine Teilnehmer_innenzahlen genannt. Einen weiteren lesenswerten Bericht gibt’s bei Basisbanalität! [...]

  • 2 Millionen « ※Infokrieg – Lügen für die 'Wahrheit'※ // Jan 21, 2010 at 13:20

    [...] andere Quelle berichtet von ca. 40 Teilnehmern, aber das sind schließlich auch schon fast Millionen! Siehe auch [...]

  • 3 humanist // Jan 21, 2010 at 13:34

    gestern habe ich “to shoot an elefant” elefant. drei wochen wochen hat das filmteam den gazakrieg mitgefilmt. nun bin auch ich augenzeuge dieses krieges geworden. in mir kochte die wut über die brutalität und unmenschlichkeit der behandlung der gazabewohner. die israelis schossen im wahrsten sinne des wortes unterschiedslos auf alles, was sich bewegte: männer, frauen und kinder. sogar rot kreuz-helfer wurden beschossen. zwei wollten einen toten auf der straße wegtransportieren. dann gingen die gewehrsalven los. sie flüchteten sofort, eien traf es in beim. auch auf rot.kreuzautis wurde geschossen. ein rotkreuzhelfer sagte: “auch ich werde sterben” und am schluß des filmes war er tot.

    menschen rennen aus ihren häusern, weil auch diese beschossen werden. eine frau schreit verzweifelt. ganze wohnblocks werden zertrümmert . phosphorbomben liegen auf der straße, die sogar noch nach tagen aktiv sind

    in jeder szene hört man das knallen ringsherum und ständig werden zivilisten schwer verletzt oder getötet. plötzlich knallt eine bombe auf ein krankenhaus die menschen sin vollkommen verzweifelt. ein palästinenser schreit eine kriegsbeobachterin an: ” wieviel blut und tote möchten die juden von uns haben, bis sie genug haben?”

    am schluß des filmes wird ein versorgungstzenrum bombardiert. ein gaza-bewohner sagt, daß von hier aus alle gaza-bewohner mit lebensmittel, medikamenten und decken versorgt werden. die gazabewohner haben nichts zu essen. ihnen fehlt das allernötigste. sie haben nicht einmal mehl und wasser. in einer anderen szene sieht man eine schlange, die hunderte meter lang ist. ein anderes versorgungsgebäude ist seit über einer woche geschlossen

    ich frage mich, wie es mir ergehen würde, wenn ich dort leben würde. ich glaube, auch ich würde raketen nach israel schießen, wenn ich die möglichkeit hätte. manche menschen sagen, es sei besser für sie, wenn sie bald von bomben umgebracht würden. dann sei wenigstens alles vorbei

    wie wohl der autor des obigeb berichts darauf reagieren wird?

  • 4 Rainer David W. Früh // Jan 21, 2010 at 13:57

    Bei den linken Lautsprechern sind 40 Figuren sowieso schon die Mehrheit des Volkes, die die “berechtigten Interessen” aller Menschen artikulieren.

  • 5 Zahal // Jan 24, 2010 at 04:37

    humanist // Jan 21, 2010 at 13:34

    gestern habe ich “to shoot an elefant” elefant. drei wochen wochen hat das filmteam den gazakrieg mitgefilmt.

    Ich bin zwar nicht der Blogbetreiber, aber ich würde ein paar Dinge fragen.

    1.) Sind Sie bei Ulrike Putz vom Spiegel in die Lehre gegangen?

    2.) Es gibt kein Team, was durchgängig im Gaza gefilmt hat.

    3.) Die Protokolle der Weisen von Zion sind wohl auch verfilmt worden und wenn es Ihnen Spaß macht gibt es auch noch den türkischen Film: “Im Tal der Wölfe”.

    4.) Hier gibt es ein paar Fotos, sogar aus der Kriegszeit:

    http://community.livejournal.com/nasha_pravda_il/52041.html

    5.) Ja, die Juden sind schon ein blutrünstiges Volk, schliesslich brauchen sie das “unschuldige Blut” der Palaraber, deshalb haben sie auch nichts anderes zu tun gehabt, als die Bevölkerung mit SMS und Handzettel zu warnen und die Medien nichts anderes, als blutige Kinder und Frauen zu zeigen, die auch gerne mal 3 Wochen zum Fotoshooting kamen.

    6.) Hier haben sie das Freiluft KZ.

    http://www.paltoday.com/arabic/News-55720.html

    Und hier die brutalen Juden:

    http://heplev.wordpress.com/2009/09/25/nachtrag-zum-freiluft-kz/

    Vergleichen bitte:

    http://heplev.wordpress.com/2009/09/23/im-freiluft-kz/

    Allerdings, wenn ICH dort leben würde, wüßte ich, daß ich die Hamas verurteilen würde, leider dafür aber erschossen, wenn human, ansonsten aber zumindest ausgepeitscht und misshandelt würde. ICH würde mich für Gewaltlosigkeit und Akzeptanz einsetzen, keine Kassams mehr auf Israel, Israel anerkennen, den Waffenschmuggel und die Drohungen unterbinden, dann klappt es auch mit dem Nachbarn.

Hinterlasse ein Kommentar

Basisbanalität behält sich vor, Kommentare mit antisemitischen, rassistischen, sexistischen, homophoben oder aus anderen Gründen ekligen Inhalten nicht freizuschalten. Beleidigungen und Bedrohungen sind ebenfalls nicht erwünscht.