
Anfang des Jahres wurde im Internet und per SMS unter Muslimen und Anderen der Aufruf verbreitet, am 10. Januar Mc Donalds, Burger King, Pizza Hut, Aldi und Lidl zu boykottieren, da die Einnahmen dieses Tages angeblich an Israel gespendet werden. Lidl und Aldi waren sich nicht zu schade dafür, diesen Unsinn offiziell zu dementieren.
Das Gerücht, das unter anderem im islamistischen Shia-Forum verbreitet wurde und als dessen grundsolide Quelle “Nachbarn” oder “der Bruder einer Schwester” angegeben werden, liest sich wie folgt:
WICHTIG WICHTIG
AM 10.01.2009 nicht bei aldi oder lidl einkaufen das geld wird an dem tag für israel gespendet.
BITTE JEDEM WEITERSAGENhier aus shia-forum eine aussage dazu:
Salam, vermeide an diesem Samstag Besonders Mc Donalds, Burger King, Pizza Hut, Aldi und Lidl, weil ein teil der einnahmen an diesem Tag als Spende zu den Israelis geht
das habe ich vorhin bei msn bekommen…
ich weiss auch nicht was ich glauben soll…
Bis vorgestern konnte der nichtsahnende Kunde einer Lidl-Filiale im Norden Neuköllns ein Beispiel dafür bewundern, wie man mit solchen Verschwörungstheorien eigentlich nicht umgehen sollte. Mehrere Zettel mit folgender Aufschrift hingen im Laden:
Aktuell kursiert ein Gerücht in aktuellen Internetforen, dass unter anderem Lidl die europaweiten Einnahmen von Freitag, den 9.01.2009 und Samstag, den 10.01.2009, an Israel spenden will. Lidl dementiert dieses Gerücht: Das im Internet kursierende Gerücht entbehrt jeglicher Grundlage.

Foto: Aushang in einer Lidl-Filiale in Berlin-Neukölln (Maybachufer), 20.1.2009
Es handelt sich dabei um die leicht abgewandelte Version einer offiziellen Erklärung, die auf der Lidl-Homepage veröffentlicht wurde*. Mal abgesehen von der eher fragwürdigen sprachlichen Gestaltung des Dementis ist ein solches Vorgehen natürlich äußerst kontraproduktiv. Doch Lidl ist damit nicht alleine. Auch Aldi hat eine entsprende Erklärung veröffentlicht (hier als Screenshot), um bloß nicht mit Israel in Verbindung gebracht zu werden:
ALDI informiert
Im Internet und an anderer Stelle werden seit dem 08. Januar 2009 unzutreffende Behauptungen über angebliche Spenden unseres Hauses an Israel verbreitet.
Wir wissen nicht, wer diese unzutreffenden Behauptungen aufgestellt hat.
Deswegen stellen wir hiermit unmissverständlich und in aller Eindeutigkeit klar:
Es ist absolut unzutreffend und frei erfunden, wenn behauptet wird, dass ALDI an Israel Spenden leistet. Eine solche Absicht besteht nicht und hat auch nicht bestanden.
Das ist so ähnlich, als würde es von der US-Regierung oder dem Pentagon eine offizielle Erklärung geben: “Ach übrigens, wir haben das World Trade Center selbstverständlich NICHT selbst in die Luft gesprengt. Entsprechende Gerüchte dementieren wir”. Natürlich handelt es sich bei der einen wie auch bei der anderen Aussage um Tatsachen, aber an solchen sind die Anhänger von Verschwörungstheorien ohnehin nicht interessiert. Ganz im Gegenteil wird in diesem Denken jedes Dementi sogleich als Beweis für die behauptete Verschwörung gewertet. Schließlich muss jemand, der es nötig hat, etwas so vehement abzustreiten, irgend etwas auf dem Kerbholz haben. Mal abgesehen davon, dass Lidl und Aldi mit ihrem Vorgehen alle jene Israelhasser bestätigen, für die es nichts Schlimmeres gibt als mit Israel identifiziert zu werden, gießen sie auch Wasser auf die Mühlen derer, die sie doch eigentlich nur aufklären möchten.
* Die Erklärung wurde mittlerweise gelöscht, kann aber immer noch über den Google-Cache abgerufen werden. Falls das in Zukunft auch nicht mehr funktionieren sollte gibt es hier einen Screenshot der Seite.




2 Antworten bis jetzt ↓
1 » brüder, kauft bei kaiser’s! | kotzboy.com // Feb 1, 2009 at 18:38
[...] doch ! ”lidl” neukölln hat dieses schreckliche gerücht distanziert, auf der offiziellen homepage stand zeitweise auch etwas dazu [...]
2 Roman G. // Apr 4, 2009 at 15:52
Jedoch werden bei LIDL oft israelische Produkte verkauft (Paprika etc.). Ich würde LIDL anschreiben und darum bitten mehr israelische Produkte ins Sortiment zu nehmen.
So etwas kann wahre Wunder bewirken.
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